30. September 2026
Eine E-Mail-Adresse pro Dienst mit eigener Domain und Fastmail
Wenn eine Webseite gehackt wird, liegt deine E-Mail-Adresse danach oft in einer Datenbank, die im Internet kursiert. Kurz darauf kommt der Spam. Mit einer einzigen Adresse für alles weisst du weder, wer sie verloren hat, noch kannst du etwas dagegen tun, ohne die Adresse überall zu wechseln.
Mein Ansatz: Jeder Anbieter bekommt eine eigene Adresse, alle unter meiner eigenen Domain.
Das Prinzip
Als Adresse verwende ich die Domain des Anbieters vor dem @ meiner eigenen Domain. Für die Anmeldung bei bank-xy.ch ist das [email protected]. Alle Mails landen im selben Postfach. Das Ergebnis:
- Leaks sind zuordenbar. Kommt Spam an eine Adresse, weiss ich, bei welchem Anbieter sie abgeflossen ist.
- Ich kann gezielt abschalten. Nur diese eine Adresse wird gesperrt, alle anderen laufen weiter.
- Ich kann von jeder dieser Adressen aus antworten.
Der letzte Punkt war für mich der entscheidende.
Mein Weg
All-Inkl: Mein Postfach lag zuerst bei All-Inkl. Der Webmailer dort erlaubt es, den Absender pro Mail direkt oben einzutragen. Sobald ich das Postfach aber in mein Google-Konto oder in ein Desktop-Programm eingebunden habe, ging das nicht mehr sauber. Viele Mail-Programme kennen Aliase nicht als eigene Option.
Proton Mail mit SimpleLogin: Danach kam Proton Mail zusammen mit SimpleLogin. Empfangen über Aliase funktionierte. Wollte ich über einen Alias antworten, musste ich jedes Mal in die SimpleLogin-App, um die passende Adresse anzulegen. Das war mir zu umständlich.
Fastmail: Bei vielen Anbietern kannst du über Aliase empfangen, aber nicht darüber antworten. Das wird zum Problem, sobald ein Dienst nur Antworten von genau der Adresse akzeptiert, an die er geschrieben hat. Bei einer Bank ist das der Normalfall. Bei Fastmail sind Aliase ein zentrales Konzept: Was empfangen wird, kann auch senden. Für mich war das die einfachste Lösung.
So sieht das in Fastmail aus
- Eigene Domain einbinden. Fastmail übernimmt dann die Zustellung für die Domain.
- Wildcard-Alias anlegen. Unter Settings → My email addresses erstellst du einen Alias
*@meine-domain.ch. Damit landet jede Adresse an der Domain im Postfach. Wildcard-Aliase setzen eine eigene Domain voraus. - Beim Schreiben den Absender wählen. Mit einem Wildcard-Alias kannst du die Absenderadresse frei eintippen, auch wenn sie vorher nie existierte.
- Eine Adresse abschalten. Du legst genau diese Adresse als eigenen Alias an und setzt ihn auf Disabled. Mails an diese Adresse werden danach zurückgewiesen, alle anderen Adressen der Domain funktionieren weiter. Ein konkreter Alias hat immer Vorrang vor dem Wildcard-Alias. Details stehen in der Anleitung zu Aliasen.
Neue Aliase brauchen laut Fastmail bis zu 15 Minuten, bis sie aktiv sind.
Reihenfolge beim Abschalten
Bevor ich eine Adresse deaktiviere, ändere ich sie zuerst beim Anbieter selbst. Sonst bekomme ich dort keine Mails mehr, auch keine für das Zurücksetzen des Passworts. Erst danach setze ich den alten Alias in Fastmail auf Disabled.
Fastmail und 1Password
Zusätzlich bietet Fastmail Masked Email: zufällig erzeugte Adressen, die sich einzeln blockieren oder löschen lassen. 1Password lässt sich mit Fastmail verbinden. Über die Browser-Erweiterung erzeugst du dann bei der Anmeldung auf einer Webseite direkt eine neue maskierte Adresse, ohne die Seite zu verlassen. Adresse und Passwort landen im selben Eintrag.
Der Preis
Das System funktioniert nur, wenn ich weiss, welche Adresse zu welchem Anbieter gehört. Bei dutzenden Konten merkt man sich das nicht im Kopf. Adresse und Passwort gehören für jeden Dienst zusammen in einen Passwortmanager. Wie das geht, beschreibe ich im Artikel Passwortmanager für Einsteiger.
Tipp: Werbung sofort abbestellen
Nach der Anmeldung bei einem neuen Dienst kommen oft Werbemails. Ich öffne die erste Mail, scrolle ganz nach unten und klicke auf Abmelden. Das dauert zehn Sekunden und hält das Postfach sauber.
Das funktioniert, weil Anbieter dazu verpflichtet sind: Nach dem Schweizer Wettbewerbsrecht braucht Massenwerbung per E-Mail eine Einwilligung, einen klar erkennbaren Absender und eine einfache, kostenlose Abmeldemöglichkeit.
Eine Einschränkung gilt: Klicke nur bei Diensten auf Abmelden, bei denen du dich selbst angemeldet hast. Bei Mails von unbekannten Absendern bestätigst du damit unter Umständen, dass deine Adresse existiert. Solche Mails markierst du besser als Spam.
Fazit
Der Aufwand liegt beim Einrichten und bei der Disziplin, bei jeder Anmeldung eine neue Adresse zu verwenden. Dafür sehe ich bei einem Leak sofort, woher er kommt, und kann ihn mit einem Klick beenden.
Wenn du ein ähnliches Setup für dich oder dein Team aufbauen möchtest, melde dich gerne.